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AuDHS bei Erwachsenen: Warum Autismus und ADHS manchmal erst spät erkannt werden

Kurz gesagt: Warum werden Autismus und ADHS manchmal erst im Erwachsenenalter erkannt? Erfahre mehr über AuDHS, Masking, Diagnostik und Unterstützung.

Du hast dein Leben lang versucht, dich anzupassen. Du hast Strategien entwickelt, um deinen Alltag zu organisieren, soziale Situationen zu bewältigen und Erwartungen zu erfüllen. Nach außen funktioniert vieles. Doch wie viel Anstrengung dahintersteckt, bekommen andere Menschen oft nicht mit.

Vielleicht hast du dich immer wieder gefragt, warum dir bestimmte Dinge so schwerfallen, obwohl du dich bemühst. Warum du feste Strukturen brauchst, aber Schwierigkeiten hast, sie einzuhalten. Oder weshalb du in einigen Bereichen gut zurechtkommst, während dich andere alltägliche Anforderungen an deine Grenzen bringen.

Manche Menschen erfahren erst im Erwachsenenalter, dass bei ihnen sowohl Autismus als auch ADHS vorliegen. Diese Kombination wird häufig als AuDHS bezeichnet.

Eine solche Erkenntnis kann helfen, frühere Erfahrungen besser zu verstehen. Sie kann aber auch neue Fragen aufwerfen: Warum wurde das nicht früher erkannt? Welche Merkmale können auf Autismus und ADHS hinweisen? Und welche Bedeutung kann eine Diagnose für das weitere Leben haben?

Was bedeutet AuDHS bei Erwachsenen?

AuDHS bezeichnet das gemeinsame Vorliegen von Autismus und einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Beide gehören zu den neuroentwicklungsbedingten Störungsbildern. Die Bezeichnung AuDHS ist keine eigenständige medizinische Diagnose. Autismus und ADHS werden anhand ihrer jeweiligen diagnostischen Kriterien beurteilt. [1, 2]

Beide Störungsbilder haben ihren Ursprung in der Entwicklung. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie immer schon im Kindesalter erkannt werden.

Manche Erwachsene berichten von Schwierigkeiten, die sie bereits seit ihrer Kindheit begleiten. Andere haben ihre Belastungen lange mithilfe von Routinen, Unterstützung oder eigenen Anpassungsstrategien bewältigt.

Erst wenn sich Lebensumstände verändern oder bisherige Strategien nicht mehr ausreichen, kann deutlicher werden, welche Schwierigkeiten tatsächlich bestehen.

Dabei ist wichtig, zwischen einer spät erfolgten Diagnose und einem erstmaligen Auftreten von Beschwerden im Erwachsenenalter zu unterscheiden.

Warum wird AuDHS manchmal erst spät erkannt?

Eine späte Erkennung kann unterschiedliche Gründe haben. Sie lassen sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren.

Außerdem stammt ein Teil der bisherigen Forschung aus Untersuchungen zu Autismus oder ADHS jeweils einzeln. Diese Ergebnisse dürfen nicht automatisch als gesicherte Erkenntnisse über sämtliche Menschen mit AuDHS betrachtet werden.

1. Zunächst wird nur eines der beiden Störungsbilder erkannt

Bei manchen Menschen wird zuerst ADHS diagnostiziert, während mögliche autistische Merkmale zunächst weniger Beachtung finden. Bei anderen ist es umgekehrt.

Ein möglicher Grund ist, dass bestimmte Schwierigkeiten durch eine bereits bekannte Diagnose erklärt werden, obwohl noch weitere Faktoren eine Rolle spielen könnten.

Beispielsweise können Schwierigkeiten während eines Gesprächs mit Impulsivität oder Ablenkbarkeit zusammenhängen. Es kann aber auch sinnvoll sein, Besonderheiten der sozialen Kommunikation näher zu betrachten.

Umgekehrt können Probleme mit Aufgabenorganisation oder Zeitmanagement nicht automatisch durch Autismus erklärt werden, nur weil bereits eine Autismusdiagnose besteht.

Die diagnostische Einordnung erfordert deshalb eine differenzierte Betrachtung.

Autismus und ADHS können gemeinsam auftreten. Gleichzeitig ist nicht jedes ähnliche Merkmal ein Hinweis darauf, dass beide Diagnosen vorliegen. [1, 2, 3]

2. Anpassungsstrategien und Masking können Schwierigkeiten weniger sichtbar machen

Manche autistische Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens Strategien, um soziale Erwartungen zu erfüllen oder eigene Schwierigkeiten weniger sichtbar werden zu lassen.

Dazu kann gehören, Gespräche im Voraus zu planen, andere Menschen bewusst zu beobachten, bestimmte Verhaltensweisen zu unterdrücken oder soziale Regeln gezielt einzuüben.

In der Autismusforschung wird dafür häufig der Begriff Camouflaging beziehungsweise Masking verwendet.

Solche Strategien können dazu beitragen, dass Außenstehende vorhandene Schwierigkeiten unterschätzen. Sie können jedoch mit erheblicher Anstrengung verbunden sein.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2024 fand Zusammenhänge zwischen Camouflaging und erhöhten psychischen Belastungen, darunter Angst, depressive Symptome und soziale Ängste. Aus diesen Zusammenhängen lässt sich allerdings nicht eindeutig ableiten, was Ursache und was Folge ist. [4]

Auch bedeutet Masking nicht automatisch, dass jemand eine Autismusdiagnose oder zusätzlich ADHS hat.

Für Menschen, bei denen beides vorliegt, können weitere Herausforderungen hinzukommen. Wie ADHS-Merkmale und autistische Anpassungsstrategien im Einzelfall zusammenwirken, ist jedoch nicht in allen Bereichen ausreichend erforscht.

Masking sollte daher bei einer diagnostischen Abklärung berücksichtigt werden, ohne es als eindeutigen Beweis für AuDHS zu interpretieren.

3. Schwierigkeiten wurden anders eingeordnet

Vielleicht hast du häufig gehört, dass du dich mehr konzentrieren, besser organisieren oder weniger empfindlich reagieren sollst.

Manchmal werden wiederkehrende Schwierigkeiten als persönliche Eigenschaften betrachtet, obwohl dahinter konkrete Unterstützungsbedürfnisse stehen könnten.

Auch bestehende psychische oder körperliche Erkrankungen können die Einordnung erschweren.

Schlafprobleme, Angststörungen, Depressionen oder chronische Belastungen können beispielsweise Konzentration, Organisation und Belastbarkeit beeinflussen.

Solche Erkrankungen können gemeinsam mit Autismus oder ADHS auftreten, aber auch ähnliche Beschwerden verursachen.

Eine sorgfältige Diagnostik muss deshalb unterschiedliche Ursachen und mögliche zusätzliche Erkrankungen berücksichtigen. [1, 2]

4. Frühere diagnostische Vorstellungen waren enger

Die wissenschaftliche und diagnostische Einordnung von Autismus und ADHS hat sich im Laufe der Zeit verändert.

Frühere Vorstellungen von Autismus waren häufig mit bestimmten stereotypen Bildern verbunden. Auch ADHS wurde in der öffentlichen Wahrnehmung lange stark mit auffälliger körperlicher Hyperaktivität verknüpft.

Dabei kann sich ADHS bei Erwachsenen unter anderem durch innere Unruhe, ausgeprägte Schwierigkeiten mit Organisation oder Probleme bei der Steuerung der Aufmerksamkeit äußern.

Auch Autismus kann sich sehr unterschiedlich zeigen.

Hinzu kommen Veränderungen in den diagnostischen Klassifikationssystemen.

Im DSM-IV war die zusätzliche Diagnose einer ADHS bei einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung durch die diagnostischen Ausschlussregeln eingeschränkt. Mit dem DSM-5 von 2013 wurde die gleichzeitige Diagnosestellung von Autismus und ADHS ausdrücklich ermöglicht.

Das berücksichtigt, dass beide Störungsbilder gemeinsam auftreten können. [3]

5. Die Anforderungen des Erwachsenenlebens verändern sich

Manche Menschen profitieren während ihrer Schulzeit oder Ausbildung von klaren äußeren Strukturen.

Vielleicht haben Angehörige organisatorische Aufgaben übernommen, feste Tagesabläufe geschaffen oder an wichtige Termine erinnert.

Mit dem Erwachsenenleben können diese Hilfen wegfallen.

Beruf, Haushalt, finanzielle Verpflichtungen, Beziehungen und weitere Aufgaben müssen zunehmend eigenständig organisiert werden.

Auch größere Veränderungen können bisherige Bewältigungsstrategien an ihre Grenzen bringen, beispielsweise ein Arbeitsplatzwechsel, ein Umzug oder zusätzliche familiäre Verantwortung.

Dadurch können Schwierigkeiten deutlicher werden, die schon lange bestanden haben, aber bislang weniger sichtbar waren.

Autismus und ADHS entstehen dadurch nicht erst im Erwachsenenalter. Veränderte Lebensbedingungen können jedoch dazu beitragen, dass bislang ausgeglichene Schwierigkeiten stärker auffallen.

Welche AuDHS-Merkmale können sich bei Erwachsenen zeigen?

Es gibt kein eigenständiges, wissenschaftlich festgelegtes AuDHS-Symptomprofil.

Wenn Autismus und ADHS gleichzeitig vorliegen, können sich jedoch verschiedene Merkmale auf die Alltagsgestaltung auswirken.

Struktur brauchen und mit Organisation Schwierigkeiten haben

Feste Abläufe können Sicherheit geben. Gleichzeitig können Probleme mit Aufmerksamkeit, Zeitmanagement oder Handlungssteuerung ihre Umsetzung erschweren.

Manche Menschen erleben deshalb eine Spannung zwischen dem Wunsch nach Ordnung und der Fähigkeit, diese unter wechselnden Alltagsbedingungen aufrechtzuerhalten.

Intensive Interessen und Schwierigkeiten beim Aufgabenwechsel

Ein Mensch kann sich intensiv mit bestimmten Themen beschäftigen und gleichzeitig Schwierigkeiten haben, zu anderen Tätigkeiten überzugehen.

Dabei können sowohl autistische Interessen als auch Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeitsregulation und Handlungssteuerung eine Rolle spielen.

Soziale Kontakte und Erschöpfung

Manche Erwachsene wünschen sich regelmäßigen Austausch, erleben soziale Begegnungen aber als anstrengend.

Dazu können kommunikative Anforderungen, bewusste Anpassungsstrategien oder sensorische Belastungen beitragen.

Wie viel soziale Aktivität angenehm ist, lässt sich nicht allein aus einer Diagnose ableiten.

Unterschiedliche sensorische Bedürfnisse

Eine ruhige Arbeitsumgebung kann Konzentration erleichtern. Gleichzeitig können selbst gewählte Musik, Bewegung oder andere Sinneseindrücke als hilfreich empfunden werden.

Welche Reize angenehm oder belastend sind, hängt von der individuellen Wahrnehmung und der jeweiligen Situation ab.

Diese Beispiele beschreiben mögliche Alltagserfahrungen. Sie sind keine ausreichende Grundlage für eine Diagnose.

AuDHS bei Frauen: Warum die Diagnostik besondere Aufmerksamkeit benötigt

Autismus und ADHS können bei Menschen aller Geschlechter auftreten. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Erscheinungsformen und gesellschaftliche Erwartungen die Erkennung beeinflussen können.

Für ADHS bei Mädchen und Frauen beschreibt die Fachliteratur unter anderem das Risiko, dass weniger auffällige, überwiegend unaufmerksame Merkmale unterschätzt werden.

Auch kompensatorische Strategien und geschlechtsbezogene Erwartungen können eine Rolle spielen. Ein internationaler Expertenkonsens aus dem Jahr 2020 beschäftigt sich ausführlich mit solchen diagnostischen Herausforderungen. [7]

In der Autismusforschung wird ebenfalls untersucht, wie soziale Anpassungsstrategien und unterschiedliche diagnostische Vorstellungen die Erkennung beeinflussen können.

Wenn Autismus und ADHS gleichzeitig vorliegen, können sich daraus zusätzliche diagnostische Herausforderungen ergeben.

Ein eigenständiges, wissenschaftlich klar definiertes weibliches AuDHS-Symptomprofil lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Deshalb ist es wichtig, individuelle Entwicklungsgeschichten und tatsächliche Belastungen zu berücksichtigen, statt sich an stereotypen Vorstellungen über Autismus, ADHS oder Geschlecht zu orientieren.

Auch Männer und nichtbinäre Menschen können Masking zeigen, vorwiegend unaufmerksame ADHS-Merkmale aufweisen oder erst spät diagnostiziert werden.

Wie wird AuDHS bei Erwachsenen diagnostiziert?

Wenn du vermutest, sowohl autistisch zu sein als auch ADHS zu haben, kann eine fachgerechte diagnostische Abklärung sinnvoll sein.

Die Untersuchung erfolgt nicht anhand eines einzelnen AuDHS-Tests. Vielmehr werden beide Störungsbilder nach ihren jeweiligen diagnostischen Kriterien beurteilt.

Zu einer umfassenden Diagnostik können verschiedene Bausteine gehören.

Entwicklungsgeschichte

Es wird betrachtet, wie sich Aufmerksamkeit, Kommunikation, soziale Interaktion und Verhalten seit der Kindheit entwickelt haben.

Die frühe Entwicklung ist relevant, weil Autismus und ADHS neuroentwicklungsbedingte Störungsbilder sind.

Aktuelle Lebenssituation

Welche Merkmale zeigen sich heute? Welche Bereiche des Alltags sind betroffen? Welche Schwierigkeiten bestehen bei der Arbeit, im privaten Umfeld oder in Beziehungen?

Auch vorhandene Stärken, Unterstützungsmöglichkeiten und Bewältigungsstrategien sollten berücksichtigt werden.

Diagnostische Gespräche und Verfahren

Qualifizierte Fachpersonen können strukturierte diagnostische Interviews, Fragebögen und weitere geeignete Untersuchungsverfahren einsetzen.

Solche Instrumente sind Bestandteile einer umfassenden Beurteilung und ersetzen nicht das fachliche Gesamturteil.

Informationen aus früheren Lebensphasen

Soweit verfügbar und sinnvoll, können frühere Befunde, Schulzeugnisse oder Angaben von Bezugspersonen zur Einordnung beitragen.

Fehlen solche Unterlagen, bedeutet das nicht automatisch, dass eine diagnostische Abklärung unmöglich ist.

Differenzialdiagnostik

Es wird geprüft, ob andere gesundheitliche oder psychische Bedingungen die Beschwerden erklären oder zusätzlich vorliegen könnten.

Gerade bei überschneidenden Merkmalen ist diese Unterscheidung wichtig.

Die NICE-Leitlinien betonen eine umfassende diagnostische Beurteilung. Insbesondere darf eine ADHS-Diagnose nicht allein auf Fragebögen oder Ratingskalen beruhen. [1, 2]

Gibt es einen AuDHS-Test für Erwachsene?

Einen einzelnen medizinisch anerkannten Test, der AuDHS als eigenständige Diagnose bestätigen oder ausschließen könnte, gibt es nicht.

Online-Selbsttests können Hinweise auf einzelne Merkmale von Autismus oder ADHS liefern. Sie sind jedoch nicht geeignet, allein eine Diagnose zu stellen.

Auch ein unauffälliges Screening schließt eine Erkrankung nicht in jedem Fall sicher aus.

Wenn sowohl Autismus als auch ADHS vermutet werden, ist es sinnvoll, eine diagnostische Stelle mit Erfahrung in beiden Störungsbildern zu suchen.

Eine umfassende Diagnostik sollte deine Entwicklungsgeschichte, aktuelle Schwierigkeiten, mögliche Beeinträchtigungen und alternative Erklärungen berücksichtigen.

Was kannst du tun, wenn du AuDHS bei dir vermutest?

Du musst nicht sofort alle Antworten kennen. Es kann helfen, zunächst wiederkehrende Schwierigkeiten und eigene Bedürfnisse genauer zu betrachten.

Schritt 1: Beobachte konkrete Situationen

Notiere Situationen, die dich regelmäßig belasten.

Statt „Ich bin schlecht organisiert” könntest du beispielsweise festhalten: „Wenn mehrere Termine an einem Tag anstehen, verliere ich häufig den Überblick über die notwendigen Vorbereitungsschritte.”

Konkrete Beispiele erleichtern es, die Auswirkungen auf deinen Alltag zu beschreiben.

Schritt 2: Betrachte verschiedene Lebensbereiche

Treten ähnliche Schwierigkeiten zu Hause, im Beruf oder in Beziehungen auf?

Welche Anforderungen verstärken die Belastung? Unter welchen Bedingungen kommst du besser zurecht?

Solche Beobachtungen können helfen, Zusammenhänge zu erkennen.

Schritt 3: Sammle vorhandene Unterlagen

Falls vorhanden, können Schulzeugnisse, frühere Befunde oder andere Dokumente aus deiner Entwicklungsgeschichte hilfreich sein.

Auch Erinnerungen von Bezugspersonen können ergänzende Informationen liefern, sofern du diese einbeziehen möchtest und sie verfügbar sind.

Schritt 4: Suche eine geeignete diagnostische Anlaufstelle

In Deutschland kann die hausärztliche Praxis ein erster Ausgangspunkt sein.

Je nach Region und Fragestellung kommen beispielsweise spezialisierte psychiatrische oder psychotherapeutische Praxen sowie entsprechende Ambulanzen infrage.

Erkundige dich möglichst vorab, ob dort Erfahrungen mit der Diagnostik von Autismus und ADHS bei Erwachsenen bestehen.

Schritt 5: Probiere alltagstaugliche Entlastungen aus

Du musst nicht auf eine mögliche Diagnose warten, um bestimmte nichtmedizinische Alltagshilfen auszuprobieren.

Wenn dir schriftliche Absprachen helfen, kannst du darum bitten. Wenn du in einer ruhigen Umgebung besser arbeiten kannst, ist das ein sinnvoller Hinweis auf deine individuellen Bedürfnisse.

Vielleicht profitierst du auch von klareren Aufgabenstellungen, planbaren Pausen oder weniger gleichzeitigen Anforderungen.

Solche Anpassungen können die Lebensqualität verbessern, ersetzen jedoch keine gegebenenfalls notwendige medizinische Behandlung oder fachliche Unterstützung.

Welche Unterstützung ist nach einer Diagnose möglich?

Eine Diagnose kann helfen, vorhandene Schwierigkeiten genauer einzuordnen und geeignete Unterstützungsmöglichkeiten zu prüfen.

Dabei ist zwischen der Behandlung von ADHS, autismusbezogenen Unterstützungsbedürfnissen und dem Umgang mit zusätzlichen Erkrankungen zu unterscheiden.

Für ADHS im Erwachsenenalter stehen wissenschaftlich untersuchte medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche davon geeignet sind, muss individuell ärztlich beziehungsweise fachlich beurteilt werden. [2]

Bei Autismus geht es nicht darum, den Autismus als solchen zu beseitigen. Unterstützung kann beispielsweise auf den Umgang mit konkreten Belastungen, die Anpassung der Umgebung, Kommunikationsmöglichkeiten oder die Behandlung zusätzlich bestehender Erkrankungen ausgerichtet sein. [1]

Wenn beide Störungsbilder vorliegen, sollten mögliche Behandlungen und Unterstützungsmaßnahmen aufeinander abgestimmt werden.

Nicht jede Maßnahme passt zu jeder Person. Persönliche Bedürfnisse, Begleiterkrankungen und frühere Erfahrungen sollten bei Entscheidungen berücksichtigt werden.

Was kann eine späte Diagnose verändern?

Eine Diagnose verändert nicht die Vergangenheit. Sie kann jedoch dabei helfen, frühere Erfahrungen anders einzuordnen.

Vielleicht wird verständlicher, warum bestimmte Aufgaben trotz großer Anstrengung immer wieder schwierig waren. Oder weshalb du dich in manchen Situationen anders erlebt hast als Menschen in deinem Umfeld.

Für einige Menschen ist eine späte Diagnose entlastend. Andere erleben zunächst Unsicherheit, Trauer, Wut oder widersprüchliche Gefühle.

Eine systematische Übersichtsarbeit von Nayyar und Kolleginnen und Kollegen aus dem Jahr 2025 fasst Erfahrungen von Erwachsenen zusammen, die eine Autismusdiagnose erhalten haben. Beschrieben werden unter anderem Schwierigkeiten auf dem Weg zur Diagnose, unterschiedliche emotionale Reaktionen, Stigmatisierung und die Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses. [5]

Diese Ergebnisse beziehen sich auf Autismusdiagnosen im Erwachsenenalter und nicht spezifisch auf sämtliche Menschen mit AuDHS.

Es gibt keine vorgeschriebene Reaktion auf eine Diagnose.

Auch eine späte Erkenntnis löst nicht automatisch alle Schwierigkeiten. Sie kann aber ein Ausgangspunkt sein, um Bedürfnisse klarer zu benennen, Unterstützung gezielter zu suchen und bisherige Strategien zu überdenken.

Wie können Angehörige unterstützen?

Wenn ein Mensch erst im Erwachsenenalter erfährt, dass Autismus und ADHS bei ihm vorliegen, kann das auch für sein Umfeld neue Fragen aufwerfen.

Vielleicht werden frühere Missverständnisse anders betrachtet. Möglicherweise entstehen neue Gespräche darüber, welche Situationen schwierig waren und welche Unterstützung hilfreich gewesen wäre.

Wichtig ist, die Diagnose nicht als vollständige Erklärung für jedes Verhalten zu betrachten.

Hilfreicher sind konkrete Fragen:

  • Welche Situationen kosten besonders viel Energie?
  • Welche Absprachen geben Sicherheit?
  • Welche Form von Unterstützung ist tatsächlich erwünscht?
  • Welche Anforderungen könnten verändert werden?

Auch das Recht auf Selbstbestimmung sollte im Mittelpunkt stehen.

Nicht jede Person möchte alle Einzelheiten ihrer Diagnose oder ihrer Erfahrungen mit anderen teilen.

Was können Arbeitgeber tun?

Im Berufsleben können klare Kommunikation, transparente Erwartungen und individuell passende Arbeitsbedingungen hilfreich sein.

Manche Beschäftigte benötigen möglichst wenige Unterbrechungen. Andere profitieren von abwechslungsreichen Aufgaben oder Möglichkeiten zur Bewegung.

Auch schriftliche Aufgabenstellungen, frühzeitige Informationen über Änderungen und klare Prioritäten können den Arbeitsalltag erleichtern.

Entscheidend ist, gemeinsam mit der betroffenen Person herauszufinden, welche Anpassungen tatsächlich sinnvoll sind.

Aus einer AuDHS-Diagnose allein lässt sich nicht ableiten, welche Tätigkeiten jemand ausüben kann oder welche Unterstützung benötigt wird.

Ebenso wenig sollten besondere Fähigkeiten oder außergewöhnliche Begabungen pauschal vorausgesetzt werden.

Fazit: Auch eine späte Erkenntnis kann wertvoll sein

Wer erst im Erwachsenenalter erfährt, dass Autismus und ADHS gemeinsam vorliegen, blickt möglicherweise auf viele Jahre zurück, in denen bestimmte Schwierigkeiten unerklärt geblieben sind.

Eine späte Diagnose kann helfen, diese Erfahrungen besser zu verstehen. Sie ist jedoch weder eine Voraussetzung dafür, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, noch eine Garantie dafür, dass sämtliche Probleme verschwinden.

Entscheidend ist, was du aus den neuen Erkenntnissen für dein heutiges Leben ableiten kannst.

Vielleicht brauchst du mehr Struktur. Vielleicht weniger äußere Reize. Vielleicht Unterstützung bei der Organisation oder mehr Flexibilität bei der Gestaltung deines Alltags.

Und vielleicht brauchst du von verschiedenen Dingen gleichzeitig etwas.

Du musst nicht in ein einziges Schema passen, um deine Bedürfnisse ernst nehmen zu dürfen.

Wissenschaftliche Grundlagen

  1. NICE: Autism spectrum disorder in adults: diagnosis and management (CG142). Zur Quelle (öffnet auf einer anderen Website)
  2. NICE: Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management (NG87). Zur Quelle (öffnet auf einer anderen Website)
  3. Antshel, K. M., Zhang-James, Y. & Faraone, S. V. (2013): The comorbidity of ADHD and autism spectrum disorder. Expert Review of Neurotherapeutics, 13(10). Zur Quelle (öffnet auf einer anderen Website)
  4. Khudiakova et al. (2024): A systematic review and meta-analysis of mental health outcomes associated with camouflaging in autistic people. Research in Autism Spectrum Disorders, 118:102492. Zur Quelle (öffnet auf einer anderen Website)
  5. Nayyar et al. (2025): Exploring Lived Experiences of Receiving a Diagnosis of Autism in Adulthood. Autism in Adulthood, 7(1). Zur Quelle (öffnet auf einer anderen Website)
  6. Young, S. et al. (2020): Females with ADHD: An expert consensus statement taking a lifespan approach. BMC Psychiatry, 20:404. Zur Quelle (öffnet auf einer anderen Website)

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische oder therapeutische Beratung im Einzelfall.

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