Für: Fachkräfte

Medizinische Fachkräfte: Autismusfreundliche Gesundheitsversorgung

Kurz gesagt: Kommunikation, Sensorik, Wartezeiten und diagnostische Vorannahmen beeinflussen die medizinische Versorgung autistischer Patient:innen. Praxisnahe Hinweise für Ärzt:innen und medizinisches Personal.

Verwandte Themen: Arzttermine vorbereiten, Kommunikation und Reizverarbeitung.

Eine autistische Patientin oder ein autistischer Patient braucht nicht automatisch mehr Medizin – aber häufig einen zugänglicheren Zugang zu derselben Medizin. Kommunikation, Sensorik, Wartezeiten und diagnostische Vorannahmen können die Versorgung beeinflussen.

Die Person direkt ansprechen

Auch wenn Angehörige oder Assistenz anwesend sind, sollte die autistische Person selbst angesprochen werden, soweit dies möglich ist. Kommunikationsform und Sprachfähigkeit dürfen nicht mit Entscheidungsfähigkeit oder Verständnis gleichgesetzt werden. Fragen Sie nach der bevorzugten Kommunikationsform – schriftliche Informationen, konkrete Fragen oder zusätzliche Verarbeitungszeit können entscheidend sein.

Anamnese konkret machen

  • eine Frage nach der anderen stellen
  • mehrdeutige Formulierungen und unnötige Metaphern reduzieren
  • bei Schmerz und Beschwerden nicht nur typische nonverbale Signale erwarten
  • Antwortzeit geben
  • wichtige Empfehlungen schriftlich zusammenfassen
  • nach sensorischen Barrieren fragen

Diagnostic Overshadowing vermeiden

Neue Beschwerden dürfen nicht reflexartig Autismus zugeschrieben werden. Schmerzen, Schlafstörungen, neurologische oder internistische Erkrankungen, Nebenwirkungen, Depression, Angst und andere Ursachen benötigen dieselbe diagnostische Aufmerksamkeit wie bei nicht-autistischen Patient:innen. Verhaltensänderungen können insbesondere bei eingeschränkter Lautsprache ein Hinweis auf körperliche Beschwerden sein.

Praxis und Termin zugänglicher gestalten

Schon kleine Änderungen können helfen: möglichst verlässliche Terminzeiten, Informationen zum Ablauf, ein ruhigerer Wartebereich oder die Möglichkeit, außerhalb des Wartezimmers zu warten, Begleitperson nach Wunsch, reduzierte Reizbelastung und klare Nachsorgeinformationen. Nicht jede Anpassung hilft jeder Person – Fragen ist zuverlässiger, als sie aus der Diagnose abzuleiten.

Wenn Untersuchungen schwierig sind

Erklären Sie vor Berührung oder Untersuchung, was passiert und warum. Teilen Sie komplexe Abläufe in Schritte. Wenn medizinisch vertretbar, geben Sie Zeit zur Vorbereitung. Eine abgebrochene Untersuchung sollte nicht vorschnell als fehlende Kooperation bewertet werden.

Stand:

Quellen