Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte

Differenzialdiagnostik

Kurz gesagt: Warum es bei Autismus mehr als eine Erklärung geben darf – und wie ADHS, Angst, Depression oder andere Bedingungen von Autismus abgegrenzt und gleichzeitig mitgedacht werden.

Zum Zusammenspiel von Autismus und ADHS im Speziellen gibt es einen eigenen, ausführlichen Beitrag: Autismus und ADHS.

Für autistische Menschen

Autismusmerkmale können sich mit anderen neuroentwicklungsbezogenen, psychischen oder körperlichen Bedingungen überschneiden. Dazu gehören unter anderem ADHS, Angst, Depression, Zwangssymptome, Traumafolgen, Sprach- und Kommunikationsstörungen oder bestimmte neurologische Bedingungen.

Differentialdiagnostik bedeutet nicht automatisch, dass eine Fachperson versucht, Autismus “wegzuerklären”. Im besten Fall prüft sie, welche Erklärung oder Kombination von Erklärungen dein Gesamtbild am besten beschreibt.

ADHS und Autismus können gleichzeitig vorliegen. Einfache Internetregeln wie “Autismus liebt Routinen, ADHS hasst Routinen” reichen zur Unterscheidung nicht aus.

Für Angehörige

Viele Verhaltensweisen sind nicht exklusiv autismusspezifisch. Rückzug kann mit Autismus zusammenhängen, aber auch mit Angst oder Depression. Organisationsprobleme können bei ADHS vorkommen. Starre Abläufe können unterschiedliche Funktionen haben.

Gute Differentialdiagnostik prüft solche Überschneidungen. Sie sollte gleichzeitig offen dafür bleiben, dass mehrere Diagnosen gemeinsam bestehen können. Autismus und ADHS schließen sich zum Beispiel nicht aus.

Für Fachkräfte

Differentialdiagnostik sollte sowohl alternative als auch gleichzeitig bestehende Erklärungen prüfen. Relevante Überschneidungen bestehen unter anderem mit ADHS, Angststörungen, Depression, Zwangsstörung, Traumafolgen, Sprach-/Kommunikationsstörungen, Intelligenzentwicklungsstörungen und neurologischen oder sensorischen Bedingungen.

Diagnostic overshadowing funktioniert in beide Richtungen: Autismus kann durch bestehende Diagnosen übersehen werden; nach gestellter Autismusdiagnose dürfen neue körperliche oder psychische Symptome nicht automatisch dem Autismus zugeschrieben werden.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische oder therapeutische Beratung im Einzelfall.

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Quellen