Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte

Sprache & Begriffe

Kurz gesagt: Begriffe rund um Autismus verständlich erklärt und fachlich eingeordnet.

Was bedeutet das?

Rund um Autismus gibt es viele Begriffe – manche fachlich-diagnostisch, manche aus der autistischen Community, manche veraltet oder umstritten. Sprache verändert sich, und unterschiedliche Menschen bevorzugen unterschiedliche Begriffe für sich selbst. Diese Seite ordnet einige der wichtigsten Begriffe ein, ohne eine einzelne Sprachpräferenz als einzig richtig vorzuschreiben.

Wichtige Begriffe im Überblick

Autismus-Spektrum-Störung / Autismus-Spektrum: Die aktuelle klinische Bezeichnung (ICD-11: 6A02) fasst unterschiedliche frühere Einzeldiagnosen (z. B. frühkindlicher Autismus, das historische “Asperger-Syndrom”) in einer gemeinsamen Spektrum-Diagnose zusammen. “Spektrum” bedeutet dabei nicht eine Linie von “leicht” bis “schwer”, sondern eine große Bandbreite unterschiedlicher individueller Ausprägungen.

Identitätsbezogene vs. person-first Sprache: “Autistischer Mensch” (identitätsbezogen) und “Mensch mit Autismus” (person-first) werden von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich bevorzugt. Umfragen in der autistischen Community zeigen häufiger eine Präferenz für identitätsbezogene Sprache, es gibt aber keine für alle geltende einheitliche Präferenz.

Neurodivergenz / Neurodiversität: Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne und Denkweisen als gesellschaftliches Phänomen. Neurodivergent bezeichnet eine einzelne Person, deren neurologische Entwicklung von einer angenommenen Norm abweicht – Autismus ist eine Form von Neurodivergenz, aber nicht die einzige.

Camouflaging / Masking: Das bewusste oder unbewusste Verbergen oder Anpassen autistischer Merkmale in sozialen Situationen. Mehr dazu im Zusammenhang mit Autismus bei Frauen und Mädchen.

Funktionsbezeichnungen (“hochfunktional”/“niedrigfunktional”): Diese umgangssprachlichen Einteilungen werden in der Fachwelt zunehmend kritisch gesehen, da sie einzelne Fähigkeiten (z. B. Sprache) verallgemeinern und den tatsächlichen, oft sehr unterschiedlichen Unterstützungsbedarf in verschiedenen Lebensbereichen nicht abbilden.

Was wissen wir aus der Forschung?

Sprachforschung zu Autismus (u. a. Bottema-Beutel et al., 2021) zeigt, dass Begriffswahl echte Auswirkungen auf Stigmatisierung und Selbstverständnis haben kann, und empfiehlt, wo möglich die Präferenzen der jeweiligen Person zu respektieren, statt einen Begriff pauschal vorzuschreiben.

Was kann helfen?

  • Im Zweifel fragen, welchen Begriff eine Person für sich selbst bevorzugt.
  • Auf pauschale Funktionsbezeichnungen möglichst verzichten und stattdessen konkreten Unterstützungsbedarf in einzelnen Lebensbereichen benennen.
  • Historische Begriffe in Zitaten oder Quellenangaben unverändert lassen, sie aber nicht als eigene aktuelle Bezeichnung übernehmen.

Stand:

Quellen