Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte
Ablauf einer Diagnostik
Kurz gesagt: Wie eine Autismusdiagnostik in Deutschland typischerweise abläuft, welche Instrumente eine Rolle spielen können – und warum kein einzelnes Instrument allein die Diagnose entscheidet.
Für autistische Menschen
In Deutschland gibt es keinen vollständig einheitlichen bundesweiten Ablauf. Einrichtungen unterscheiden sich in Wartezeiten, Instrumenten und Organisation. Fachlich gute Diagnostik ist aber multimethodal: Sie verbindet Gespräch, Entwicklungsanamnese, aktuelle Lebenssituation, direkte Beobachtung, Differentialdiagnostik und – je nach Stelle – standardisierte Instrumente.
ADOS, ADI-R oder andere Verfahren können Teile dieser Diagnostik sein. Kein einzelnes Instrument entscheidet die Diagnose allein. NICE sagt für Kinder und Jugendliche ausdrücklich, dass kein autismusspezifisches Diagnosetool allein zur Diagnosestellung verwendet werden soll.
Vor Beginn darfst du fragen: Welche Termine sind geplant? Welche Unterlagen werden gebraucht? Wird eine Bezugsperson benötigt? Wie erhältst du das Ergebnis? Bekommst du einen schriftlichen Bericht?
Für Angehörige
Bei Kindern und Jugendlichen ist Diagnostik besonders stark entwicklungsbezogen. NICE empfiehlt eine multidisziplinäre Beurteilung mit Entwicklungsanamnese, Beobachtung, medizinischer Vorgeschichte, Differentialdiagnostik, Erfassung möglicher Begleitbedingungen und einem Profil aus Stärken, Fähigkeiten, Beeinträchtigungen und Bedürfnissen.
Kindergarten und Schule können wichtige Informationen beitragen, weil Verhalten je nach Kontext unterschiedlich sichtbar sein kann. Wenn Beobachtungen in Praxis und Alltag nicht zusammenpassen, empfiehlt NICE, zusätzliche Informationen oder Beobachtungen in anderen Settings einzubeziehen.
Die Perspektive des Kindes oder Jugendlichen sollte entsprechend Alter und Kommunikationsmöglichkeiten einbezogen werden.
Für Fachkräfte
NICE fordert für Erwachsene eine umfassende, von geschulten Fachpersonen durchgeführte, teambasierte Beurteilung. Erfasst werden sollen unter anderem autistische Kernmerkmale seit der Kindheit, Entwicklungsanamnese, aktuelle Funktionsfähigkeit, körperliche und psychische Erkrankungen, andere neuroentwicklungsbezogene Bedingungen, sensorische Besonderheiten und direkte Beobachtung.
Für Kinder und Jugendliche sieht NICE Entwicklungsanamnese, Beobachtung, medizinische Anamnese und Untersuchung, Differentialdiagnostik, Begleitbedingungen sowie ein Stärken- und Bedarfsprofil vor. Kein autismusspezifisches Instrument darf allein die Diagnose begründen.
Die deutsche S3-Diagnostikleitlinie von 2016 ist formal abgelaufen. Zum 26.08.2026 führt die AWMF die Überarbeitung als Version 5.1 “Anmeldung”; eine neue publizierte Leitlinienfassung liegt noch nicht vor.
ADOS, ADI-R und andere strukturierte Instrumente: Strukturierte Instrumente können die diagnostische Informationsgewinnung verbessern, sind aber nicht selbst die Diagnose. NICE nennt bei Erwachsenen unter anderem ADI-R und ADOS als mögliche Hilfsmittel und betont gleichzeitig die umfassende klinische Beurteilung. Ein “ADOS negativ = kein Autismus” oder “ADOS positiv = Diagnose” ist fachlich zu kurz gegriffen.
Passendes Arbeitsblatt
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Vorbereitung auf die Autismusdiagnostik
Checkliste zur Vorbereitung auf eine Autismusdiagnostik: organisatorische Fragen an die Diagnostikstelle, eigene Beobachtungen und benötigte Unterlagen sammeln.
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Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische oder therapeutische Beratung im Einzelfall.
Stand:
Quellen
- NICE CG142: Autism spectrum disorder in adults: diagnosis and management (öffnet auf einer anderen Website)
- NICE CG128: Autism spectrum disorder in under 19s: recognition, referral and diagnosis (öffnet auf einer anderen Website)
- AWMF, Reg.-Nr. 028-018: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 1: Diagnostik (öffnet auf einer anderen Website)