Für: Autistische Menschen, Angehörige, Fachkräfte

Angststörungen bei Autismus

Kurz gesagt: Angst ist kein Autismusmerkmal, tritt aber bei autistischen Menschen häufiger auf. Wie sich Angst von sensorischer Vermeidung unterscheiden lässt.

Für autistische Menschen

Angst ist nicht automatisch ein Autismusmerkmal. Angststörungen treten bei autistischen Menschen häufiger auf, besonders gut untersucht ist das bei Erwachsenen.

Schwierig ist die Abgrenzung, weil Rückzug, Vermeidung, Anspannung oder ein starkes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit verschiedene Gründe haben können. Eine laute Umgebung zu meiden, weil sie sensorisch schmerzhaft ist, ist zum Beispiel etwas anderes als eine Angststörung.

Achte deshalb auf die Funktion: Wovor genau hast du Angst? Welche Gedanken oder körperlichen Reaktionen treten auf? Was würdest du ohne die Angst tun? Solche konkreten Beobachtungen helfen mehr als die pauschale Frage, ob etwas “autistisch” ist.

Für Angehörige

Angststörungen treten bei autistischen Menschen häufiger auf, sind aber kein Bestandteil, der einfach hingenommen werden sollte.

Nicht jede Vermeidung ist Angst. Ein Kind kann einen Raum meiden, weil er sensorisch überfordernd ist. Ein erwachsener Mensch kann gesellschaftliche Situationen vermeiden, weil die Anforderungen erschöpfend sind. Andere Menschen vermeiden Situationen aufgrund konkreter Ängste.

Hilfreich ist deshalb die Frage: Was genau löst die Belastung aus? Was erwartet die Person, was passieren könnte? Was würde die Situation zugänglicher machen?

Für Fachkräfte

Angststörungen sind bei autistischen Menschen, besonders bei Erwachsenen, deutlich häufiger beschrieben. Gleichzeitig können Vermeidung, Rückzug, erhöhte Vorhersehbarkeitsbedürfnisse und körperliche Anspannung auch sensorische oder autismusbezogene Funktionen haben.

Die klinische Frage sollte daher lauten: Liegt eine eigenständige Angststörung vor, welche Auslöser und Kognitionen sind beteiligt, und welche Umweltfaktoren erzeugen reale Überforderung?

Psychische Behandlung sollte sich an der jeweiligen Störungsleitlinie orientieren und autismussensibel angepasst werden.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung und keine medizinische oder therapeutische Beratung im Einzelfall.

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